Das Atelier des Kusakabe Kimbei

Klaus Lerch

 

Broschur, Glanzpapier
97 Seiten

30 Seiten Farbdruck
20 S/W-Abbildungen

Format 17 x 17 cm
ISBN 978-3-945058-01-5

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"Eine Minute lang absolut still stehen, wie sollte das gehen? Worauf hatte sie sich da nur eingelassen, als sie sich entschloss, ihr gar nicht so geringes Gehalt als Kurtisane durch diesen Nebenjob als Fotomodel aufzubessern. Nun schmerzt der Rücken unter der Last der schweren Samurairüstung und immer wieder fordert Kusakabe eine Wiederholung der Aufnahme, da sie sich zu früh bewegt hat. 

Kusakabe Kimbei - Samurai in Rüstung - ca. 1990

Aber etwas Faszinierendes hat diese Tätigkeit und so kommt sie immer wieder in das Atelier des Kusakabe Kimbei, um ihr Gesicht und ihren Körper zur Verfügung zu stellen. Sie kann sich selbst betrachten, nicht nur im Spiegel sondern durch ein Bild, das nicht vergänglich zu sein scheint. Sie ahnt in diesem Moment, dass sie durch ihr Abbild unsterblich werden wird. Noch Jahrhunderte später wird man sich durch ihre Bilder das Japan des 19. Jahrhunderts vergegenwärtigen, nicht wissend, dass der abgebildete Samurai in Wirklichkeit eine Frau ist."

 

 

Kusakabe Kimbei ist der herausragende Vertreter der japanischen Souvenirfotografie des 19. Jahrhunderts. Durch seine Fotos prägte er nachhaltig das Japanbild des Westens.

 

Heutzutage, im Zeitalter von Fernsehen, Internet und einem großen Angebot erschwinglicher Fernreisen, sind Informationen über Leben und Kultur in fernen Ländern einfach zugänglich. Um wie vieles schwieriger war es noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sich ein realistisches Bild über das Leben der Menschen in einem Land wie Japan zu machen. Man war auf Berichte der wenigen Reisenden angewiesen, die die Möglichkeit bekamen, das für den Westen geschlossene Land zu besuchen. Für den Leser dieser Berichte gehörte schon eine gehörige Portion Vorstellungskraft dazu, die fremde Kultur in seinen vielfältigen Facetten zu erfassen.

 

Zwei Ereignisse änderten die Situation Mitte des 19. Jahrhunderts grundlegend: Die Öffnung Japans hin zum Westen nach der Landung von Commodore Perry in der Bucht von Edo im Jahre 1853 und dreißig Jahre zuvor die Erfindung der Fotografie durch den Franzosen Joseph Nicéphore Niepcé sowie die Einführung dieser Technologie nach Japan in 1848 durch Ueno Shunnojo.

 

Nach der Öffnung Japans strömten Besucher aus dem Westen in das Land, um dort Handelsbeziehung aufzubauen oder um auf Einladung der japanischen Regierung mit den westlichen Errungenschaften zu Technologie, Kultur und Staatswesen, die japanische Gesellschaft zu befruchten. All diese Besucher hatten die Möglichkeit, sich ein Bild des fremden Landes zu machen und sie wollten dieses Bild weitergeben an die zu Hause Gebliebenen. Rasch entwickelte sich die professionell betriebene Souvenirfotografie zu einem lukrativen Geschäftszweig. Insbesondere in Yokohama, dem Tor Japans zum Westen, entstand eine Vielzahl von Fotostudios. Dort wurden Fotos und ganze Alben mit typischen Motiven angeboten. Neben Landschaften und Gebäuden wurden vor allem Menschen auf Fotos festgehalten. Geishas, Priester und Samurai in traditioneller Kleidung sowie Handwerker und einfache Menschen, beobachtet bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, wurden zu den beliebtesten Motiven. Auch wenn man über den künstlerischen Wert der Fotografien streiten kann – viele betrachten diese eher als Kitsch für Touristen – in jedem Falle sind sie interessante Zeitdokumente, die auch heute noch Aufmerksamkeit verdienen.

 

Waren es zuerst westliche Fotografen die das neue Marktsegment für sich beanspruchten, so lernten die Japaner schnell und ab 1880 wurden die meisten Fotoateliers von Einheimischen betrieben. Ein herausragender  Vertreter war Kusakabe Kimbei. Wie kein anderer vermochte er in ästhetischen Bildern Aspekte des japanischen Lebens in Fotografien festzuhalten.

 

Kernstück des Buches „Das Atelier des Kusakabe Kimbei“ ist – in Anlehnung an die historischen Fotoalben – eine Zusammenstellung von 30 Personenstudien. Die korrespondierenden Texte beschreiben das jeweilige Bild sowohl im historischen Kontext als auch mit Bezügen zum heutigen Leben in Japan. In der dem Album vorangestellten Kurzbiografie Kusakabes wird die Schnelllebigkeit des Geschäftsmodells der Souvenirfotografie verdeutlicht. Außerdem enthält das Buch eine Beschreibung früher fotografischer Techniken und ein Kapitel über den Einfluss der wichtigsten westlichen Fotografen in Japan. Die abschließende kommentierte Literaturübersicht soll den Leser anregen, sich weiter mit der faszinierenden Welt der Souvenirfotografie im Japan des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen.

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