Geschichten von chinesischen Geistern

Lafcadio Hearn

Broschur
73 Seiten
Format 22 x 15,5 cm
ISBN 978-3-945058-32-9

10 €



Sechs phantastische Erzählungen führen uns in die frühe Geschichte Chinas. Wir begegnen einer jungen Frau, die den Opfertod wählt, um ihren Vater zu retten, einem Mönch, der durch die Kraft der Meditation weltlichen Versuchungen widersteht und einem Porzellanmacher, der sein Leben gibt, um Großes zu erschaffen.

In diesem Frühwerk von Lafcadio Hearn zeigt sich bereits seine tiefe Bewunderung für die asiatische Kultur und sein Interesse an allem Sonderbaren, Übernatürlichen und Befremdlichen. 


Die Geschichtensammlung "Some Chinese Ghosts", erschien erstmals im Jahre 1887 im Verlag Roberts Brothers, Boston. Da Hearn der chinesischen Sprache nicht mächtig war, griff er bei seinen Recherchen auf französische Übersetzungen zurück, die er ins Englische übertrug und dabei die Inhalte mit seinen eigenen Ideen und Interpretationen verwob. In den Geschichten finden sich bereits Themen, die auch sein späteres, in Japan entstandenes Werk auszeichnen. Insbesondere konfuzianistische Wertvorstellungen, wie die Liebe und Aufopferungsbereitschaft der Kinder ihren Eltern gegenüber, sind wiederkehrende Motive. Diese finden sich in der einleitenden Geschichte "Die Seele der großen Glocke", in der das Mädchen Ko-Ngai in die Glut eines Schmelzofens eintaucht, um das Leben ihres Vaters zu retten, aber auch in der "Legende von Chi-Niu", in der der Protagonist sich in freiwillige Knechtschaft begibt, um seinem Vater ein würdiges Begräbnis zuteilwerden zu lassen. Hearns Wertschätzung für die asiatische Kultur, die er der westlichen in vielen Gesichtspunkten für überlegen hält, zeigt sich in den Erzählungen "Die Geschichte vom Porzellangott" und "Der Ursprung der Teepflanze", in denen der Autor die Entstehung der Porzellanmacherei und des Teeanbaus auf übernatürliche Einflüsse zurückführt.

Rückblickend hat Lafcadio Hearn selbst ein gemischtes Urteil über "Some Chinese Ghosts" gefällt. Da er sich bei den Recherchen zu diesem Werk ausschließlich auf schriftliche Quellen in westlicher Übersetzung stützte, zweifelte er daran, den Fernen Osten in all seinen Facetten verstanden zu haben. Dennoch war er sich der Bedeutung der kleinen Sammlung chinesischer Geschichten für sein späteres Werk wohl bewusst.

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland eine erste Welle der Begeisterung für Lafcadio Hearns Werk aufkam, basierte diese ausschließlich auf den Übersetzungen seiner in Japan entstandenen Schriften, wie "Kwaidan", "Izumo" oder "Kokoro". So ist das in New Orleans entstandene Frühwerk "Some Chinese Ghosts" von deutschen Verlegern lange Zeit übersehen worden. Zu Unrecht, markiert es doch mit der Hinwendung zu asiatischen Vorlagen und phantastischen Themen einen Meilenstein in der Hearn'schen Publikationsgeschichte.