35 Tage in Japan

Franz Ferdinand von Österreich-Este

 

Broschur
156 Seiten
4 S/W-Abbildungen

Format 22 x 15,5 cm
ISBN 978-3-945058-16-9

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„Da wir uns nun schon in landesüblichen Gebräuchen vergnügten, unterzog ich mich auch einer Tätowierung, aus welcher nach vierstündiger ziemlich schmerzvoller Prozedur, die nicht weniger als 52.000 Stiche erforderte, ein auf meinem linken Arme prangender Drache hervorging – ein Scherz, den ich wahrscheinlich seiner unvertilgbaren Spuren wegen noch bereuen werde.“

 

Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este ist vor allem durch seinen Tod in die Geschichtsbücher eingegangen. Das Attentat des serbischen Nationalisten Gavrilo Prinzip am 28. Juni 1914 in Sarajevo, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger und seine Ehefrau Sophie getötet wurden, war der Auslöser des Ersten Weltkrieges.

 

Vier Jahre vor seinem Aufstieg zum Thronfolger hatte sich Franz Ferdinand auf eine zehnmonatige Reise um die Welt begeben. Während der gesamten Reise führte er ein Reisetagebuch. Das mehr als 2000 Seiten umfassende handschriftliche Originalmanuskript befindet sich heute im Archiv von Schloss Artstetten in Niederösterreich. In den Jahren 1895 und 1896 erschien das Werk in zwei Bänden unter dem Titel "Tagebuch meiner Reise um die Erde" beim Wiener Verleger Alfred Hölder. Der in dem vorliegenden Band gedruckte Abschnitt zum Japanaufenthalt Franz Ferdinands, der einen Höhepunkt der Tour darstellte, macht etwa 12 % des gesamten Reisetagebuchs aus. Auffällig ist die, im Vergleich zur Beschreibung anderer Länder wie China und Nordamerika, positive Bewertung der Bewohner und Sehenswürdigkeiten Japans. Ob Franz Ferdinands Vorliebe für das Land der aufgehenden Sonne vor Ort entstand oder bereits vor Antritt der Reise vorhanden war, ist unklar. Dass er den von vielen Europäern bewunderten Auftritt Japans bei der Weltausstellung in Wien im Jahre 1873 als Zehnjähriger erlebt hat, ist eher unwahrscheinlich. Möglichweise hat er als Reisevorbereitung die im Jahre 1881 erschienene Schrift Von den Pyramiden zum Niagara – Eine Reise um die Erde seines Landsmannes Josef Freiherr von Doblhoff gelesen, in der die Schilderung Japans einen erheblichen Raum einnimmt.

 

Bei der Planung des Besuchsprogramms in Japan lehnte sich Franz Ferdinand an Bewährtes an. Nagasaki, Kyōto, Nara, Tōkyō, Nikkō und Yokohama waren, wie bei vielen westlichen Reisenden zuvor, die wichtigsten Stationen seines Aufenthalts. Das Besondere an Franz Ferdinands Besuch war, dass er aufgrund seines Status und der Berechtigung, das österreichische Kaiserhaus zu repräsentieren, die Möglichkeit hatte, auf höchste japanische Würdenträger zu treffen, sogar auf den Meiji-Tennō selbst.

 

In seinem Tagebuch offenbart Franz Ferdinand den für die damalige Zeit typischen Blick europäischer Reisender auf das fremde Japan, der von dem Kontrast zwischen schwärmerischer Bewunderung und herablasendem Exotismus gekennzeichnet ist. Dies zeigt sich in seiner Schilderung der Bewohner Japans wie auch in seiner Interpretation der Kultur, Geschichte und Religion des Landes. Die teilweise rassistische Ausdrucksweise mag heute irritierend und abstoßend wirken, sie war jedoch typisch für die damalige Zeit, die von kolonialem Denken geprägt war.

 

Franz Ferdinand beschreibt nicht nur Land und Leute, er gibt dem Leser auch Einblicke in sein Seelenleben und seine persönlichen Prioritäten. Immer wieder thematisiert er seine Sammelleidenschaft, die er selbstironisch als „Kaufmanie“ oder „Museomanie“ bezeichnet. Als Gastgeschenke brachte der Erzherzog ethnografische Objekte und sogar lebende Tiere, wie japanische Zwerghühner und Bären, mit nach Hause.

 

Obwohl Franz Ferdinand während der Reise unter ständiger Beobachtung seiner Entourage und der japanischen Gastgeber stand, nutzte er die Gelegenheit des Aufenthalts in einem fernen Land, um sich ins volle Leben zu stürzen. Er mag sich an seine Jugend erinnert haben, die er nach eigenen Aussagen mit „Wein, Weib und Gesang“ verbracht hatte. Beim Besuch eines Tätowierstudios in Miyanoshita zeigte sich der designierte Thronfolger experimentierfreudig. Fortan zierte ein Drache seinen linken Arm, den zeitlebens wohl nur seine Frau und seine Ärzte zu sehen bekamen. So hat der Genussmensch Franz Ferdinand gerade in Japan das gefunden, wonach er beim Reisen suchte:

 

„Die Verschiedenartigkeit, die Ursprünglichkeit der empfangenen Eindrücke von Ländern und Leuten, von Zuständen und Dingen haben mir Belehrung, Befriedigung, Genuss verschafft.“

 

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