Madame Chrysanthème

 

Pierre Loti

 

Broschur

140 Seiten

Format 22 x 15,5 cm

ISBN 978-3-945058-34-3

 

15,00 €

 

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Der autobiographische Roman basiert auf den Erlebnissen des französischen Marineoffiziers Julien Viaud während seiner Stationierung in Nagasaki im Jahre 1885.

 

Von anderen Angehörigen der französischen Kriegsmarine, die zuvor in der japanischen Hafenstadt stationiert waren, hat Viaud alias Pierre Loti von dem dortigen System der Prostitution gehört, der „Ehe auf Zeit“. Und so lässt er nach seiner Ankunft nur wenig Zeit verstreichen, bevor er mit Hilfe eines Kupplers eine junge Frau kennenlernt und an sich bindet, der man den westlichen Namen Chrysanthème gegeben hat.

 

In Lotis Roman tritt die eigentliche Handlung, in der die wechselvolle Dreiecksbeziehung zwischen dem Autor, seinem Freund Yves und Chysanthème thematisiert wird, oftmals in den Hintergrund. Überlagert wird sie von der impressionistischen Schilderung der Gegebenheiten in dem Land, dessen pittoreske wie groteske Details eine erhebliche Faszination auf den Autor ausübten.

 

Madame Chrysanthème gilt als Schlüsseltext für die Prägung der westlichen Sicht auf Japan an der Wende zum 20. Jahrhundert. Giacomo Puccinis Oper Madame Butterfly und das Musical Miss Saigon wurden von Lotis Roman inspiriert.

 

Louis-Marie Julien Viaud, der sich später Pierre Loti nannte, wurde am 14. Januar 1850 im südwestfranzösischen Rochefort geboren, einer kleinen nahe dem Atlantischen Ozean gelegenen Stadt in der Provinz Saintonge. Er entstammte einer Seefahrerfamilie. Sein Großvater war in der Schlacht von Trafalgar gefallen. Juliens älterer Bruder Gustave, der als Marinearzt die Welt bereist hatte, begeisterte ihn mit Erzählungen von fernen Ländern. Nach dem frühen Tod des Bruders entschied sich auch Julien im Jahre 1867 für den Eintritt in die Marine, wo er rasch den Offiziersrang erreichte. Mit 18 Jahren begann er die Welt zu bereisen. Aufenthalte in Städten und Ländern wie Venedig, Konstantinopel, Palästina, Hawaii, Brasilien und natürlich Japan prägten fortan seine Denk- und Lebensweise.

 

Bevor der Marineoffizier im Jahre 1879 das Pseudonym Pierre Loti annahm und sein Erstlingswerk Aziyadé veröffentlichte, einen Roman, in dem er seine Erlebnisse in Konstantinopel verarbeitete, war er nur wenig mit Literatur in Berührung gekommen. Er betrachtete dies als Vorteil, denn er wollte in seinen Werken sein ureigenstes Denken und Empfinden, unbeeinflusst von Anderen, zum Ausdruck bringen. So entstanden bis zu seinem Tod im Jahre 1923 mehr als dreißig Romane und Reiseberichte, die insbesondere in seinem Heimatland Frankreich eine große Leserschaft fanden. Seit den 1880er Jahren war er auch als Journalist für Le Figaro und Le Monde Illustré tätig. Mit seinem literarischen Werk erwarb Loti sich hohes Ansehen, was im Jahre 1891 zur Aufnahme in die Pariser Gelehrtengesellschaft Académie Française führte. Für seine militärischen Leistungen wurde er mit den Verdienstorden Croix de Guerre und Legion d’honneur ausgezeichnet

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„Hast du Madame Chrysanthème gelesen? Es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, dass echte Japaner nichts an den Wänden haben. Die Beschreibung der Tempel und Pagoden, wo es nichts gibt – die Zeichnungen und Objekte sind in Schubladen versteckt. Ach! So sollte man also Werke des Japonismus betrachten, in einem hellen, ganz kahlen Raum, der sich zur Landschaft hin öffnet.“

 

Vincent van Gogh in einem Brief an seinen Bruder Theo.

 

Richard Gordon Smith mit Bediensteten

Pierre Loti war ein Star des Exotismus und ein Bestsellerautor seiner Zeit. Die Handlungen seiner autobiografisch geprägten Romane sind meist in fremden Ländern und Kulturen angesiedelt. Im ausklingenden 19. Jahrhundert befriedigte er damit die Sehnsucht der Leserschaft nach der Ferne. Wiederkehrende Motive von Todessehnsucht und Lebensgier, die insbesondere in seiner japanischen Trilogie zu finden sind, machen ihn auch zu einem Vertreter des Fin de Siècle. Aufgrund der exotistischen Schilderungen in seinen Werken kann Loti als Nachfolger von Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre und François-René de Chateaubriand betrachtet werden. Er selbst hatte aber auch unzweifelhaft großen Einfluss auf andere Schriftsteller wie Louis Bertrand und Gilbert de Voisins sowie auf Künstler wie Paul Gaugin, der von Lotis Thaiti-Roman Rarahu inspiriert wurde. Vincent van Goghs Begeisterung für das Land der aufgehenden Sonne stützt sich nicht nur auf die Werke der japanischen Meister des Farbholzschnitts, sondern auch auf Lotis Madame Chrysanthème, wie das einleitende Zitat zeigt.

 

Ausgelöst durch ein Essay des französischen Philosophen Roland Barthes im Jahre 1974 erfolgte in Intellektuellenkreisen eine detaillierte Auseinandersetzung mit Lotis Werk, das heute, wegen seiner orientalistischen Sichtweisen und unkritisch romantisierenden Schilderungen eher kritisch gesehen wird.

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